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<title>Behkadeh Rādschi</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Behkadeh Rādschi</span></h1>
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<p><b>Behkadeh Radschi</b> (international/englisch meist <i>Behkadeh Raji</i>, <a href="Persische_Sprache" title="Persische Sprache">persisch</a> <bdo dir="ltr"><bdi dir="rtl" lang="fa" class="arabic spanAr" style="unicode-bidi:isolate;font-size:120%;">بهکده راجی</bdi></bdo> <i><span lang="fa-Latn" style="font-style:italic">Behkade Rādschi</span></i>, <a href="DIN_31635" title="DIN 31635">DMG</a> <i><span lang="fa-Latn" style="font-style:italic">Behkade Rāǧī</span></i>) ist das erste <a href="Leprakolonie" class="mw-redirect" title="Leprakolonie">Leprosorium</a>, das als sich wirtschaftlich selbst versorgendes, eigenständiges Dorf errichtet wurde. Es entstand 1961 auf aktives Betreiben von <a href="Farah_Pahlavi" title="Farah Pahlavi">Farah Pahlavi</a> im <a href="Iran" title="Iran">Iran</a> und wird vom <i>Leprahilfswerk Iran</i> (<bdo dir="ltr"><bdi dir="rtl" lang="fa" class="arabic spanAr" style="unicode-bidi:isolate;font-size:120%;">جمعیت کمک به جذامیان</bdi></bdo>, <a href="DIN_31635" title="DIN 31635">DMG</a> <i><span lang="fa-Latn" style="font-style:italic">Ǧamʿiyat-e Komak be Ǧoẕāmiyān</span></i>, oft <i>Jamiyat-e Komak be Jozamian</i>) geleitet. Ziel des Dorfkonzeptes war es, nicht nur eine optimale Versorgung der Leprakranken zu erreichen, sondern durch das Zusammenleben von Kranken und Gesunden auch die Einstellung der Bevölkerung gegenüber den an Lepra Erkrankten und den Umgang mit ihnen zu verändern.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Entstehungsgeschichte">Entstehungsgeschichte</h2></div>
<p>Das Leprahilfswerk Iran <i>(Dschamiyat-e Komak be Dschozamian)</i> wurde von Abdol-Hossein Radschi (1902–1972) gegründet und viele Jahre geleitet. Es bot den Betroffenen und deren Familienangehörigen neben der medizinischen Hilfe auch soziale Dienste und finanzielle Unterstützung an. Farah Pahlavi übernahm kurz nach ihrer Heirat mit Schah <a href="Mohammad_Reza_Pahlavi" title="Mohammad Reza Pahlavi">Mohammad Reza Pahlavi</a> als eine ihrer ersten offiziellen Aufgaben auf Bitte des ehemaligen Gesundheitsministers Abdol-Hossein Radschi den Vorsitz des Leprahilfswerks im Iran. Farah Pahlavi hatte bereits als Schülerin das Leid der <a href="Lepra" title="Lepra">Leprakranken</a> im Iran in einem Vortrag an ihrem Gymnasium kennengelernt.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Situation der Leprakranken im Iran war bis Mitte der 1950er-Jahre desolat. Die wenigen Leprastationen des Landes wurden meist von christlichen Priestern und Nonnen geführt. Zahlreiche Leprakranke waren nach <a href="Maschhad" title="Maschhad">Mashhad</a> zur Moschee von <a href="Imam_Reza" class="mw-redirect" title="Imam Reza">Imam Reza</a> gepilgert, um für ihre Genesung zu beten. Die Moschee war eines der wichtigsten Pilgerzentren und bot den Kranken die Möglichkeit, durch Betteln ihren Lebensunterhalt zu sichern. Die Verwaltung von Maschhad wollte die Kranken allerdings wieder loswerden.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Man errichtete 3 km von Maschhad entfernt eine Heilanstalt für Leprakranke, das <a href="Leprosorium" title="Leprosorium">Leprosorium</a> Asayeshgah Mehrab Khane. In der Leprakolonie waren 900 Leprakranke untergebracht. Darüber hinaus wohnten 180 gesunde Kinder von leprakranken Müttern in der Kolonie ohne jede schulische Versorgung. Das Hauptgebäude war zwar mit modernen Geräten bis hin zu Wasserhähnen mit Lichtschranken ausgestattet, die Versorgung blieb dennoch hinter den international üblichen Standards zurück.
</p><p>Nachdem Farah Pahlavi ihre Unterstützung für das „Leprahilfswerk Iran“ zugesagt hatte, wurden als erstes alle Leprakranken des Landes erfasst und in die erweiterte Leprastation nach Maschhad oder, sofern das nicht möglich war, in lokale Krankenhäuser zur stationären Behandlung gebracht. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Feldstudie wurde die regionale Verbreitung der Lepra und der Stand der ärztlichen Versorgung untersucht. Es stellte sich heraus, dass sowohl die Bevölkerung als auch die meisten Ärzte nur unzureichend über die Krankheit informiert waren.<sup id="cite_ref-s158_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-s158-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Empfehlung der <a href="Weltgesundheitsorganisation" title="Weltgesundheitsorganisation">Weltgesundheitsorganisation</a> WHO, die Leprakranken in ihren Dörfern vor Ort zu behandeln, um eine soziale Ausgrenzung der Erkrankten zu vermeiden, war nicht zu realisieren, da die Dorfbewohner aus Angst vor Ansteckung die Erkrankten nicht in ihrer Dorfgemeinschaft duldeten. Das führte zu der Idee, für die Erkrankten ein eigenes Dorf zu errichten, das sich – soweit möglich – wirtschaftlich selbst versorgen sollte, um den Erkrankten ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Aufbau_und_Funktionsweise">Aufbau und Funktionsweise</h2></div>
<p>Schah Mohammad Reza Pahlavi überschrieb dem iranischen Leprahilfswerk aus seinem Privatbesitz Ländereien (30.000 ha) in <a href="Gorgan" title="Gorgan">Gorgan</a>, 450 km nordöstlich von Teheran. Dort wurde das Dorf Deh Kadeh mit über dreihundert Häusern einschließlich Krankenhaus, Grundschule, Bibliothek, Kino, Polizeirevier, Restaurant, einem öffentlichen Bad, Handwerksbetrieben, landwirtschaftlichen Einrichtungen, Tankstelle, Autowerkstatt, einer Strickerei für Strümpfe und Socken sowie einer Teppichknüpferei gebaut.<sup id="cite_ref-s158_3-1" class="reference"><a href="#cite_note-s158-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bewässerungsanlagen für Felder, Obst- und Gemüsegärten wurden angelegt. Als Grundlage zur wirtschaftlichen Selbstversorgung erhielt jeder Einwohner drei Schafe. Ein Schafzüchter gab Kurse in der Schafzucht. Die Dorfgemeinschaft besaß ein Weidegelände von 24 Hektar.
</p><p>Die medizinische Ausstattung des Krankenhauses von Behkadeh Radschi wurde durch eine Spende des <a href="Deutsche_Lepra-_und_Tuberkulosehilfe" class="mw-redirect" title="Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe">Deutschen Aussätzigen-Hilfswerks</a> finanziert. Die medizinische Versorgung übernahmen iranische Ärzte. Darüber hinaus kamen freiwillige Ärzte aus Pakistan, Indien, Frankreich und der Schweiz nach Deh Kadeh, um mit Hilfe plastischer Operationen die entstellten Gesichter, Hände und Beine der Kranken soweit möglich wiederherzustellen.
</p><p>Da die landwirtschaftliche Produktion der geheilten Leprakranken aus Behkadeh Radschi den Eigenbedarf überstieg, wurden die Überschüsse wie beispielsweise Kartoffeln oder Baumwolle auf den Märkten der Umgebung verkauft.
</p><p>Das Dorf wuchs nicht nur durch den Zuzug von Kranken. Immer mehr Gesunde aus der Umgebung arbeiteten in den Einrichtungen des Dorfes für ihren eigenen Lebensunterhalt oder kamen ins Kino oder zum Essen ins Dorfrestaurant. Mit der Errichtung des Dorfes, das den Namen Behkadeh Radschi erhielt, war es gelungen, nicht nur die medizinische Versorgung der Leprakranken zu verbessern, sondern auch deren soziale Ausgrenzung aufzuheben.
</p><p>Im Rahmen des Programms für Mitarbeiterbeteiligung der <a href="Wei%C3%9Fe_Revolution" title="Weiße Revolution">Weißen Revolution</a> wurde 1975 eine Aktiengesellschaft zur Verwertung der Produkte von Behkadeh Radschi gegründet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Behkadeh_Radschi_heute">Behkadeh Radschi heute</h2></div><p>
Das Dorf wurde nach der <a href="Islamische_Revolution" title="Islamische Revolution">Islamischen Revolution</a> in Behkadeh Razavi umbenannt. Mariam Khodadadian berichtete über den Zustand des Dorfes im Jahr 2003: </p><div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Behkadeh Raji, eines der schönsten Dörfer Irans, liegt heute wie verlassen da. Das Krankenhaus des Dorfes, das als bestes Krankenhaus der Region galt, ist nur noch alle zwei Tage für wenige Stunden geöffnet. Die medizinische Versorgung der Leprakranken wird von einem Allgemeinmediziner vorgenommen. Die Strickerei und die Teppichknüpferei, in denen die Frauen des Dorfes gearbeitet hatten, sind geschlossen. Das Kino wurde zunächst in einen Sportclub umgewandelt, der dann ebenfalls geschlossen wurde. Die Bibliothek des Dorfes hat kein Geld mehr für Neuerwerbungen und wird nicht mehr besucht. Die Polizeistation wurde geschlossen. Die Bank des Dorfes wurde geschlossen, da die wirtschaftliche Tätigkeit des Dorfes weitgehend zum Erliegen gekommen ist. Die meisten Häuser des Dorfes müssten dringend in Stand gesetzt werden. Die frühere Zusage, dass die Familien der Leprakranken in den Häusern unbefristet wohnen können, wurde widerrufen. Die Familien, die bislang in Behkadeh Raji gewohnt haben, mussten notariell beglaubigen, dass sie keine Rechte an den Häusern haben. Die Schlüssel für die Häuser wurden eingezogen. Die Einwohner beschwerten sich darüber, dass die Leprakranken die Häuser abgeben mussten, die Schah <a href="Mohammad_Reza_Pahlavi" title="Mohammad Reza Pahlavi">Mohammad Reza Pahlavi</a> für sie gebaut hatte. Inzwischen haben die Leprakranken ihre wirtschaftliche Selbständigkeit verloren und sehen sich wieder als Bettler. Die Aktienanteile der Aktiengesellschaft von Behkadeh Raji wurden beschlagnahmt. Die 30.000 ha Land, die der Gesellschaft gehörten, wurden ebenfalls beschlagnahmt. Viele Leprakranke sind wieder zu gezwungen zu betteln, da sie kein eigenes Einkommen mehr erzielen.“<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</blockquote>
</div></div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leprahilfswerk_Iran">Leprahilfswerk Iran</h2></div>
<p>Neben der Gründung und Betreuung des Leprosiums Behkadeh, das zu Ehren von Abdol-Hossein Radschi seinen Namen trug, unterstützte das <i>Leprahilfswerk Iran (Jamiyat-e Komak be Jozamian)</i> Leprakranke und deren Familienangehörigen im ganzen Land. Die medizinische Hilfe umfasste die direkte medizinische Behandlung sowie Rehabilitationsmaßnahmen. Das Leprahilfswerk hatte durch die vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit mit einem französischen Leprainstitut personelle Unterstützung durch einen französischen Facharzt, einen plastischen Chirurgen, einen Augenarzt, Labor- und Pflegepersonal und einen Physiotherapeuten erhalten. Das Leprahilfswerk Iran arbeitete eng mit dem iranischen Gesundheitsministerium zusammen.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Darstellung_im_Film">Darstellung im Film</h2></div>
<p>Über Baba Baghi, ebenfalls ein eigenständiges Dorf mit Leprakranken, drehte die Lyrikerin <a href="Forugh_Farrochzad" title="Forugh Farrochzad">Forugh Farrochzad</a> einen bewegenden Film mit dem Titel <i>Chāneh siyāh ast</i> („<a href="Das_Haus_ist_schwarz" title="Das Haus ist schwarz">Das Haus ist schwarz</a>“), der 1963 den Großen Preis der <a href="Internationale_Kurzfilmtage_Oberhausen" title="Internationale Kurzfilmtage Oberhausen">Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen</a> gewann.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Mansureh Pirnia: <i>Safar Nameh Shahbanu. Entesharat Mehr Iran.</i> 1371, S. 250.</li>
<li>Veröffentlichung des Büros Ihrer Hoheit Farah Pahlavi, 1354 (1975).</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Farah Diba-Pahlavi: <i>Erinnerungen</i>. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 2004, ISBN 3-7857-2157-9, S. 156.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Mansureh Pirnia: <i>Safar Nameh Shahbanu.</i> Entesharat Mehr Iran, 1371, S. 250.</span>
</li>
<li id="cite_note-s158-3"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-s158_3-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-s158_3-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Farah Diba-Pahlavi: <i>Erinnerungen</i>. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 2004, ISBN 3-7857-2157-9, S. 158.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.leprosy.ir/irjozam.htm">Bericht der Gesellschaft für die Selbstversorgung der Leprakranken (in persisch)</a><span style="display:none"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://IABotdeadurl.invalid/http://www.leprosy.ir/irjozam.htm">@1</a></span><span style="display:none"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.leprosy.ir/irjozam.htm">@2</a></span><span style="display:none">Vorlage:Toter Link/www.leprosy.ir</span> <small>(Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. <a rel="nofollow" class="external text" href="http://timetravel.mementoweb.org/list/2010/http://www.leprosy.ir/irjozam.htm">Suche in Webarchiven</a>)</small> <small class="archiv-bot"><span class="wp_boppel noviewer" aria-hidden="true" role="presentation"><span typeof="mw:File"><span title="i"></span></span></span> <b>Info:</b> Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</small></span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Veröffentlichung des Büros Ihrer Hoheit (Farah Pahlavi), 1354 (1975), S. 150.</span>
</li>
</ol>
<p><span class="geo noexcerpt" style="display:none"><span class="body"></span><span class="latitude">36.833333333333</span><span class="longitude">54.483333333333</span><span class="elevation"></span></span><span id="coordinates" class="coordinates -print"><span title="Koordinatensystem WGS84">Koordinaten: </span><a class="external text" href="geo:36.833333333333,54.483333333333"><span title="Breitengrad">36° 50′ <abbr title="Nord">N</abbr></span>, <span title="Längengrad">54° 29′ <abbr title="Ost">O</abbr></span></a></span>
</p></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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